Verfassungsgericht bestätigt: Penis „drängender“ als Vagina

Das Bundesverfassungsgericht (liebevoll: BVerfG) feiert sein 60-jähriges Bestehen. Auf dem Festakt findet man dann auch die Worthülsen, die man zu solchen Anlässen vermutlich sagen muss: Eine Instanz voller „gelebter Unabhängigkeit“, die „alle wesentlichen Gesellschaftsfragen“ klären kann und das nicht zuletzt dazu da ist, „um den Bürger vor dem Staat zu schützen“.

Aus gegebenem Anlass sei an eine frühe Sternstunde des Gerichts erinnert, die so ungefähr das Gegenteil von allen oben angeführten Attributen darstellt. Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass sich Günther R. und Oskar K. nicht besonders „geschützt“ gefühlt haben müssen, als das BVerfG ihre Gefängnisstrafen wegen homosexueller Unzucht (zwischen Erwachsenen) im Jahr 1959 bestätigte. Eine Verurteilung nach einem Paragraphen, der in seiner verschärften Form einfach aus der Nazi-Zeit übernommen worden war.

Realtiv am Anfang der Begründung beschäftigen sich die Richter auch mit den so geliebten „wesentlichen Gesellschaftsfragen“, in diesem Fall, wie Mann und Frau von der Form ihrer jeweiligen Geschlechtsorgane charakterlich festgelegt werden:

Schon die körperliche Bildung der Geschlechtsorgane weist für den Mann auf eine mehr drängende und fordernde, für die Frau auf eine mehr hinnehmende und zur Hingabe bereite Funktion hin. Dieser Unterschied der physiologischen Funktion läßt sich aus dem Zusammenhang des geschlechtlichen Seins nicht ausgliedern, er ist mit konstituierend für Mann und Frau als Geschlechtswesen (Kroh).

Freud, wie ihn die Feministinnen lieben. Und was bedeutet das jetzt für die ganzen Schwulen?

Männliche Homosexuelle streben häufig zu einer homosexuellen Gruppe, lehnen aber familienhafte Bindungen meist ab und neigen zu ständigem Partnerwechsel.

Ansonsten dominiert das Argument: Homosexualität ist falsch, weil war ja schon immer so (inkl. mehrfacher Bibelverweise).

Diese Umstände rechtfertigen die Feststellung, daß auch heute noch das sittliche Empfinden die Homosexualität verurteilt. Einzelne gegenteilige Äußerungen, vorwiegend aus interessierten Kreisen, kommen demgegenüber nicht in Betracht [...]

Nicht zu vergessen: Die verheerende Signalwirkung auf die verführbare Jugend.

Für die Bestrafung solcher Beziehungen [Anm: d.h.zwischen Erwachsenen] läßt sich immerhin anführen, daß [...] eine stärkere Verbreitung der Homosexualität unter Erwachsenen, die eine wahrscheinliche Folge ihrer Straflosigkeit sein würde, die Gefahr auch für die Jugend erhöhen müßte; namentlich könnte die Straflosigkeit der Beziehungen zwischen erwachsenen Männern auch zu einer weniger strengen Beurteilung solcher Beziehungen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen führen.

Ein praktisches Universalargument, mit dem man prinzipiell alles, was für Jugendliche nicht erlaubt ist, auch für Erwachsene verbieten kann.
Das einzige Zugeständnis an die verurteilten Sodomiten: Möglicherweise seid ihr nicht völlig asozial, sondern irgendwie krank:

Dem Beschwerdeführer kann zugegeben werden, daß eine Änderung der sittlichen Anschauungen möglich ist: so könnten neue Forschungsergebnisse der medizinischen Wissenschaft dazu führen, die Homosexualität als unausweichliche körperlich-seelische Abartigkeit zu verstehen, der gegenüber eine sittliche Verurteilung ihren Sinn verlieren würde.

Auch wenn Abartigkeit nicht besonders nett klingt, ist das vermutlich irgendwie ein Fortschritt. (Foucault-Leser machen hier ein Häkchen für den Wechsel von einem moralischen in einen medizinischen Diskurs.)

Entscheidungsformel:
1. die Verfassungsbeschwerde des Günther R. wird zurückgewiesen.
2. Die Verfassungsbeschwerde des Oskar K. ist durch seinen Tod erledigt.

Happy Birthday!

Bild: CC-BY-NC jgieseking (via flickr.com)
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Der harte Kern

Die Wahlforschung klärt auf: Wer hat am vergangenen Sonntag in Berlin noch FDP gewählt?

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Mehr schmutzige Schüttelreime

Wenn ich nur deine Füße seh,
wird mir ganz warm, du süße Fee.

Gestern mit dem fetten Nick
hatte ich nen netten Fick.

Er fühlt sich wohl in seinen Fesseln
in seiner Herrin feinen Sesseln.

Legt er sich zum Wichsen nieder,
denkt er an Richard Nixon wieder.

Bei Sex hinter der Hecken Zier
gilt Vorsicht: Es gibt Zecken hier!

Vgl. auch: Schmutzige Schüttelreime (22.09.2009)

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Too B.I.G. to fail?

Folgendes Szenario: Ich lese in einem Artikel aus einem Springer-Revolverblatt Sachen, die man womöglich in der Hinsicht missverstehen kann, als würden in Berlin ab der ersten Klasse demnächst Sachen wie Selbstbefriedigung, Darkroom und Orgasmus als Teil der Sexualerziehung pantomimisch dargestellt. Was tue ich?

a) Ich denke mir, dass da was durcheinandergeraten ist, und das ja wohl eher Sachen für spätere Klassen sind.

b) Ich recherchiere ein bisschen und finde heraus, dass da was durcheinandergeraten ist, und das ja wohl eher Sachen für spätere Klassen sind.

c) Ich drucke den ganzen Quatsch wortwörtlich auf ein Flugblatt und mache damit Wahlwerbung für meine Splitterpartei.

Für Alternative c) entschieden haben sich die Verteter der Berliner BIG-Partei, einer Gruppe, die besonders für Rechte von Migranten eintritt und auch im Bonner Stadtrat prominent vertreten ist. Herausgekommen ist dabei:

Nach dem Klassiker der Raczeks „Kommen Pädophile an die Uni Bonn? – Wählen Sie 110!“ ist das hier mittlerweile eins meiner persönlichen Highlights unter den politischen Flugschriften. Neben klassischen homophoben Evergreens (Kinderschutz vs Homosexualität, „werbende Darstellung“) überzeugt vor allem der wirre Gesamteindruck und selbstverständlich wurde auch der seriöse bildungspolitische Anstrich  (mehr Lehrer, kleinere Klassen) nicht vergessen. (Als würde man einem alten Gaul eine Möhre auf die Stirn kleben und sagen: Oh mein Gott, was für ein wunderschönes Einhorn.) Auch Fans von Selbstironie kommen auf ihre Kosten, denn es ist klar, dass mit dieser wunderbar exakten Definition eines Darkrooms im Mittelteil der Flyer nach BIG-Logik vor Kindern unbedingt fernzuhalten ist. Burn after reading…

Während BIG in Bonn auf Kritik an der Flugblatt-Aktion weiter tapfer rumeiert, hat sich in Berlin eine konservative Kampagne gegen die Sexualaufklärung gebildet, die völlig neue Koalitionen offenbart: „Unterstützung für die Anti-Aufklärungs-Initiative kommt vor allem von CDU [...] sowie Parteien wie Pro Deutschland und BIG.“ Mit solchen Freunden…

Somit verteile ich nun im andauernden Berliner Doofball-Match Schwule vs. Migranten den ersten Punkt an die Auswärtsmannschaft. Die Führung der Schwuppen, die der Berliner Lesben- und Schwulenverband seinerzeit mit einem schönen Angriff über Rechtsaußen mit seiner Forderung nach Einbürgerungstests nach baden-württembergischen Vorbild sicherstellte, hat damit keinen Bestand mehr. Aber ich bin mir sicher, auch dieser Spielstand wird nicht allzu lange halten…

Bild: via queer.de
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Gescheiterte nachträgliche Werbekampagnen

Bonner Aktionswochen Katzenkastration 1. Oktober – 30. November 2010 (1)

Ursprüngl. Foto: CC-BY-NC von Paul Vaarkamp
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Notizen von T.

Gottchen, Kinder, eins steht fest, meine erste Woche als neue Lokalredakteurin hier in Bonn war echt kein Zuckerschlecken. Erstes Meeting und unser Chef meint doch: „Beginn des Beethovenfestivals, Riesennummer, da müssen wir was bringen!“ Ich so: „Chef, ich finde Bernhardiner auch unheimlich knuddelig, aber ist das nicht ein bisschen übertrieben, und außerdem war die Fortsetzung längst nicht mehr so gut wie der erste Film.“ Aber was soll ich sagen, offenbar meinten die den alten Musikus von anno Gottweißwann, denn der hat sich hier ein paar Jahre in die Windeln geschissen, bevor er in Wien seine Klingeltöne komponiert hat. Ich meine, ernsthaft, es gibt ja auch keine Bruce-Willis-Biennale in Idar-Oberstein und keinen Heidi-Klum-Catwalk in Bergisch-Gladbach. Aber das perlt an meinem Boss ab wie sonst nur das gute Prickelwasser, das er hinter dem 20-bändigen Lexikon in seinem Büro versteckt. „Scheiße, T., Sie stöckeln heute Abend zum Eröffnungskonzert und schreiben uns was.“

Es wurde eine stressige Veranstaltung, das kann ich euch sagen. Zuerst bequasselt mich eine Mittsechzigerin, von der die Zeugen Jehovas in Sachen Hartnäckigkeit noch gut was lernen können, im Foyer ständig über Pläne für ein neues Festspielhaus. Dabei verteilt sie gleichzeitig zu Werbezwecken tonnenweise dieses Toastbrot mit dem verkohlten Konterfei vom alten Ludwig Van drauf. „Schätzchen, wollen Sie eine neue Konzerthalle oder eine Heiligsprechung, außerdem nehme ich meinen nie ohne Kaviar“, scherze ich, daraufhin zieht sie endlich Leine. Großes Bohei dann kurz vor Beginn, als ein ungeladener Demonstrant gegen den Abriss der Beethovenhalle protestieren will und sich deshalb an die Eingangstore kettet. Die baufälligen alten Dinger halten das allerdings nicht lange aus und gehen aus den Angeln. Problem gelöst.

Vor dem Konzert hat auch noch der OB seinen Auftritt, sein Gesicht kenne ich schon, denn sein Foto dient uns in der Redaktion als Dartscheibe. (Keine Ahnung, wieso.) Sein sonorer, träger Bass erinnert mich sofort an die Walgesänge, die ich immer als Einschlafhilfe benutze, und so kriege ich von der Rede nicht viel mit. Vielleicht hängt das auch mit der miesen Akustik in der klapprigen Musikscheune zusammen. Egal, mein Ipod, mit dem ich während dem anschließenden Konzert unauffällig dem neuen Album meiner Lieblings-Death-Metal-Band lausche, hat jedenfalls den besten Sound, den man sich wünschen kann. Hinterher noch ein kurzes Stelldichein mit den wichtigsten Schlipsträgern aus der Lokalpolitik. Alle noch etwas steif, reden nur über das langweilige Gefiedel, also lockere ich die Runde ein bisschen auf: „Na, da können Sie ja wirklich froh sein, dass Sie wenigstens noch good old Beathoven haben, sonst würde sich für das alte Bundeskaff gleich gar keiner mehr interessieren, stimmt’s oder hab ich Recht?“ Und da heißt es immer, Rheinländer wären so herzliche Typen.

Nächster Tag in der Redaktion kommt mein Chef mich gleich im Büro besuchen. „Na, krieg ich heute nen schönen Beethoven-Artikel von Ihnen?“ „Klar, Chef, mach ich mich gleich dra-a-a-annnnn!“ „So gefällt mir das.“ Ich glaube, da winkt bald eine Versetzung ins Kulturressort.

Bis zum nächsten Mal,

Eure T.

Bild: Screenshot www.jetzt-schaetzchen.de
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Marilyn Nimptsch

Ba-dum, ba-dum, dub-di-bum, hey!

Photoshop-Anleitung: http://www.melissaevans.com/tutorials/andy-warhol-up-your-photographs

Foto von http://www.juergen-nimptsch.de/

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Bonn in drei Graphiken

1) Bonner Alltag

2) Bonns politische Bedeutung

3) Bonn im internationalen Vergleich

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