Bonner Generalanzeiger: Die Konferenz der Tiere

Böse Zungen würden behaupten, dem Bonner Generalanzeigers gehen seit geraumer Zeit in seiner Berichterstattung zum Bonner Skandalbau WCCB ein bisschen die Metaphern durch. Positiv gewendet könnte man vermuten, dass in der Redaktion einfach sehr naturverbundene Menschen sitzen, die in ihrer Erfolgsserie „Die Millionenfalle“ möglichst viele Vergleiche aus Feld und Wald unterbringen möchten.

Wobei man zugestehen muss, angefangen damit hat ein anderer, nämlich Bonns Pseudo-Investor Man-Ki Kim, der im Interview die eigene Geschäftsakquise in einem hübschen Bild aus Adlern, Löwen und Tigern umschreibt. Insofern ist die Beschreibung Kims im GA als katzenfreundlich (Millionenfalle 47) nur die logische Konsequenz aus der zahlenmäßigen Überlegenheit der Vertreter der Felidae. Und das WCCB selbst? Das ist im GA nicht mehr nur irgendein Bauprojekt, sondern eine fette Made, die gemästet, filetiert (28) und schließlich verfrühstückt wurde (18). Übermäßiger Dschungelcamp-Konsum vermutlich.

Bei Arazim, dem großen Unbekannten aus Zypern, handelt es sich dagegen offenbar um eine äußerst seltene wahlweise Kreuzung aus Münteferings Heuschrecke und einer langsam reifenden Kröte (60), die auch schon mal vorweihnachtlich (49) geschluckt werden muss. Dem Rat der Stadt fällt die nicht so wirklich schmeichelhafte Rolle einer bockigen Schafherde zu (20). Stimmvieh (38) halt. Und wer dachte, im Konferenzzentrum hätte inzwischen Insolvenzverwalter Christopher Seagon das Kommando, sieht sich getäuscht: Denn hier regiert die Schnecke (50).

Das Terrain, auf dem sich die beteiligten Kreaturen – allen voran Alpha-Tier Nimptsch (59) – dabei bewegen, erscheint relativ uneinheitlich: Wirtschaftlicher Morast (18) oder doch ein seltsamer Humus am Rhein (37) , wo durch große Not auch abwegigste Gedanken gedüngt werden (38)? Wodurch solche sperrigen Metaphern gedüngt werden, hat der GA bislang allerdings noch nicht enthüllen können.

Die Staatsanwaltschaft wiederum ermittelt in völlig anderen Gefilden unterhalb der Wasserlinie der berühmten Eisbergspitze (31, mit Eisberg-Foto) nach dem gesunkenen WCCB-Dampfer (36). Offenbar wurde Bonns Kompassnadel durch psychologische Kräfte abgelenkt (38) – dann könnte man immer noch Uri Geller die Schuld zuschieben.

Das ließe sich noch länger weiterführen, wer hätte z.B. gedacht, dass Termiten aggressive Rivalen am Kaugeräusch erkennen können (36). Sollte der GA auch heute noch wie zu Spitzenzeiten des WCCB-Skandals regelmäßig ins Koreanische übertragen werden, wird sich der Leser in Fernost doch an manchen Stellen fragen müssen, ob der Übersetzer nicht aus Versehen die aktuelle Ausgabe von „Geolino“ erwischt hat.

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