Politiker ziehen Konsequenzen aus WCCB-Prozess

Bonn/WCCB – Mit bemerkenswerter Selbstkritik haben viele Ratsmitglieder auf ihr eigenes Auftreten im Zeugenstand des WCCB-Prozesses reagiert, bei dem sehr viele Fragen des Gerichts wegen Erinnerungslücken der Abgeordneten unbeantwortet blieben. „Das ist natürlich ein Problem“, räumt Klaus-Peter Gilles (CDU) im Interview mit dem Generalanzeiger ein. „Wir sind in unserer Fraktion deswegen mittlerweile dazu übergegangen, uns wichtige Dinge auch mal aufzuschreiben.“ Fraktionsgeschäftsführer Fenninger verteidigt dagegen den Auftritt seiner Kollegen: „Ich bitte Sie, das ist doch alles schon fast 7 Jahre her. Wer soll sich denn da noch an solche Details erinnern? Ach übrigens, noch was ganz anderes, wegen dieser Autobahngeschichte: Ich weiß genau, dass Verwaltungsoberinspektor Schnappauf-Höskens mir schon im März 1995 (er trug da wieder diese hässliche blau-weiß gestreifte Krawatte) versichert hat, ein Ausbau der A565 ohne Einbeziehung des Ennertaufstiegs, aber mit Südtangente bei paritätischer Inanspruchnahme der Bundesmittel nach § 254 Abs. 2 kann nur dann erfolgen, wenn…“

Etwas lockerer sieht man die Angelegenheit bei den Grünen. „Wissen Sie, ich sage immer: Solange wir nicht vergessen, dass die Verwaltung an allem Schuld ist, ist doch alles in Ordnung, ha ha“, so Peter Finger in einer Stellungnahme. Mit ganz eigenen Erinnerungslücken schlägt sich dagegen die SPD herum: „Bärbel wer? Mit einfachem k oder ck…? Aha… Nein, der Name kommt mir nicht bekannt vor… Und Sie sind ganz sicher, dass die mal bei uns Mitglied war?“

Kritiker kreiden auch der Verwaltung eine Mitschuld an, fehle es doch in vielen schriftlichen Vorlagen zum WCCB an sprachlicher Klarheit und Stringenz. Ein Sprecher der Stadt wies das jedoch vor Pressevertretern eindeutig zurück: „Unter finaler Berücksichtigung sowohl grammatikalisch-orthographischer wie auch terminologisch-semantischer Aspekte ist die Postulierung einer vorsätzlich erkenntnisbehindernden Intention – oder auch nur einer in fahrlässiger Weise durch unorthodoxe Satzkonstruktion (oder Wortwahl, Paraphrasierungen, Appositionen und unklare Bezüge) mitverursachten akzidentalen Bedeutungsobstruktion – von unserer Seite nur in wenigen statistisch irrelevanten Einzelfällen faktisch zu rechtfertigen.“ Dennoch bot die Stadt den Parlamentariern Unterstützung bei der Bekämpfung ihrer Gedächtnislücken an: Im Gespräch ist eine verbesserte Beschilderung im Stadthaus, damit die Ratsmitglieder den Weg in den Ratssaal auch ohne Probleme wiederfänden und nirgendwo falsch abbögen. „Damit heben wir die Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung zum Wohle Bonns auf eine ganz neue Stufe“ , so Oberbürgermeister Nimptsch abschließend.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s